Rechtsgrundlage

 

Stand: 28.12.2017

Trotz gewissenhafter Ausarbeitung können wir für die nachfolgenden Ausführungen zu allen erläuterten Regelungen keine Garantie bezüglich Richtigkeit oder Vollständigkeit geben.

 

DÜNGEVERORDNUNG (DüV)

Seit dem 02.06.2017 ist die neue Düngeverordnung in Kraft. In vielen Punkten konnten die Bundesländer sich noch nicht auf einen einheitlichen Vollzug der novellierten Düngeverordnung einigen. Das macht es derzeit schwierig, bundeseinheitlich gültige Vorgaben für die Kompostdüngung zu beschreiben.

N-Düngebedarfsermittlung

Die Düngebedarfsermittlung für Stickstoff ist ab einer Gabe von mindestens 50 kg N/ha schriftlich für jeden einzelnen Schlag durchzuführen. In den Anlagen zur Düngeverordnung befinden sich umfangreiche Tabellenwerke zur Ermittlung des Düngebedarfs. Der ermittelte Düngebedarf darf nicht überschritten werden. Es darf also kein Kilogramm Stickstoff mehr als rechnerisch erforderlich gedüngt werden.

Folgende Stickstoffanteile aus Kompost müssen bei der Düngebedarfsermittlung mindestens berücksichtigt werden:

Der dann noch übrigbleibende Stickstoffdüngebedarf der angebauten Kultur darf in Form von Stickstoffmineraldünger oder anderen organischen Düngern gedeckt werden.

Nach dem Wortlaut der Verordnung darf man bei Ermittlung der pflanzenverfügbaren Stickstoffmenge pauschal – wie bei anderen organischen Düngemitteln auch – für Kompost 10 % von der aufgebrachten Stickstoffgesamtmenge als „Aufbringungsverluste“ in Abzug bringen.

N-Aufbringungsobergrenze „170 kg N“

Bisher galt die N-Aufbringungsobergrenze in Höhe von 170 kg N/ha im Betriebsdurchschnitt nur für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (z. B. Gülle und Stallmist). Zukünftig müssen die Stickstoffgesamtgehalte aller organischen und organisch-mineralischen Düngemittel und damit auch die Gehalte von Kompost eingerechnet werden.

Bei Kompost darf die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Betriebes in einem Zeitraum von drei Jahren 510 kg Nges/ha nicht überschreiten. In diesem Zeitraum darf auch bei einer Kombination von Kompost und Wirtschaftsdüngern eine zulässige Gesamtfracht von 510 kg Nges/ha im Betriebsdurchschnitt nicht überschritten werden.

Sofern ausschließlich Kompost in einem Ackerbaubetrieb eingesetzt wird, ist die Regelung eindeutig und dürfte in der Praxis zu keinen Einschränkungen pflanzenbaulich sinnvoller Kompostgaben führen. Detailliertere Betrachtungen sind dann erforderlich, wenn Wirtschaftsdünger und Kompost kombiniert in einem Betrieb eingesetzt werden sollen. Bei einer Kombination von organischen Düngern und Kompost in einem Betrieb kann die im Jahr der Anwendung aufgebrachte Stickstoffmenge aus der Kompostdüngung auf drei Jahre aufgeteilt werden (Regelung z. B. in NRW, in anderen Bundesländern hiervon abweichende Regelungen möglich). Sinnvoll ist dies, wenn andernfalls eine Überschreitung der N-Aufbringungsobergrenze in einem Jahr erfolgen würde.

Nährstoffvergleich für Stickstoff

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der schlagbezogenen Düngebedarfsermittlung und dem betriebsbezogenen Nährstoffvergleich ist, dass bei der Düngebedarfsermittlung nicht mehr Stickstoff als erforderlich gedüngt werden darf. Dagegen ist beim Nährstoffvergleich ein Überschuss („Kontrollwert“) von 50 kg N/ha im Betriebsdurchschnitt im Mittel von drei Jahren zulässig.

Die von außen dem Betrieb über mineralische und organische Düngemittel zugeführten Mengen an Nges fließen zu 100 % als Zufuhr in den Nährstoffvergleich mit ein. Das gilt auch für den Stickstoff aus Kompost. Nach einem Verweis in der Anlage 5 DüV kann nur die über Kompost zugeführte Menge an Gesamtstickstoff auf drei Jahre aufgeteilt werden.

Die über die eigene Tierhaltung im Betrieb anfallenden Stickstoffmengen werden über die Anzahl der gehaltenen Tiere, die Fütterungssysteme und weitere Parameter (z. B. Milchleistung, Tiergewicht usw.) ermittelt. Der tatsächliche Anfall von Wirtschaftsdüngern und deren Stickstoffgehalte werden dabei nicht berücksichtigt.

Von der ermittelten Stickstoffmenge können beim Einsatz bestimmter Düngemittel wie Kompost weitere Stickstoffmengen in Anlage 5, Zeile 11 DüV in Abzug gebracht werden, da der Stickstoff im Kompost überwiegend stark organisch gebunden vorliegt und in den Pool zum Humusaufbau mit einfließt. In Nordrhein-Westfalen können in Anlage 5, Zeile 11 DüV für Kompost 70 % für die Humusversorgung beim Nährstoffvergleich geltend gemacht werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nur 30 % des Stickstoffs aus Biogut-Komposten bei der Stickstoffbilanzierung einfließen (in anderen Bundesländern sind hiervon abweichende Regelungen möglich).

Im Fallbeispiel Nr. 3 wird davon ausgegangen, dass in einem 100 ha großen Ackerbaubetrieb im ersten Jahr (2018) insgesamt 24.000 kg N über Biogut-Kompost aufgebracht werden. Verteilt auf drei Jahre würde ohne sachgerechte Berücksichtigung der Humusdüngung jedes Düngejahr mit 80 kg N/ha aus der Kompostgabe beaufschlagt. Unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Landes Nordrhein-Westfalen würden dagegen letztendlich durch diese Gabe nur 24 kg N/ha und Jahr bzw. 72 kg N/ha (30 % vom Nges) bezogen auf drei Bezugsjahre bilanztechnisch berücksichtigt (in anderen Bundesländern sind hiervon abweichende Regelungen möglich).

Düngebedarfsermittlung für Phosphat

Vor dem Aufbringen von Phosphatgaben in einer Höhe von über 30 kg P2O5/ha muss die Ermittlung des Bedarfs schriftlich für jeden Schlag gesondert erfolgen. Die Phosphatdüngung darf den schlagbezogenen Bedarf nicht überschreiten.

Sofern der Boden eine ausgewogene Versorgung mit Phosphat (= Bodengehaltsklasse C) aufweist, entspricht der Phosphatbedarf den Phosphatentzügen durch die Ernteprodukte. In diesem Fall soll nur die Menge an Phosphat über Mineraldünger, Wirtschaftsdünger oder Kompost gedüngt werden, welche auch über die Kulturen entzogen wird. Das macht die Düngebedarfsermittlung von Phosphat zunächst deutlich einfacher, als dies beim Stickstoff der Fall ist.

Liegen die Phosphatgehalte im Boden unterhalb des Optimums (= Bodengehaltsklasse A oder B), darf die Phosphatgabe nach den länderspezifischen Empfehlungen auch über den Entzügen liegen. Dabei sind die in den Bundesländern unterschiedlichen Verfahren zur Ermittlung des Phosphatgehalts im Boden anzuwenden und die unterschiedliche Einstufung der Bodengehaltsklassen (A bis E) zu berücksichtigen. In Nordrhein- Westfalen wird z. B. die CAL-Methode angewandt. Die Gehaltsklasse C liegt hier z. B. für schwere Böden bei 14 bis 24 mg P2O5/100 g Boden.

Gemäß Düngeverordnung darf bei Bodengehalten von über 20 mg P2O5/100 g Boden (CAL-Methode) die Phosphatgabe höchstens der voraussichtlichen Phosphatabfuhr entsprechen. Bei der Bedarfsermittlung müssen auch die Phosphatmengen aus der Kompostgabe vollumfänglich berücksichtigt werden.

Nährstoffvergleich für Phosphat

Etwas komplizierter wird die Ermittlung der über Wirtschaftsdünger anfallenden Phosphatmengen. Diese werden nämlich – wie auch schon beim Stickstoff – nicht über die tatsächlichen Gehalte und Mengen an Wirtschaftsdüngern ermittelt, sondern über die Anzahl der gehaltenen Tiere und unter Berücksichtigung der Fütterungssysteme berechnet.

Die in der Tierhaltung produzierten Phosphatmengen werden mit den Mengen an sonstigen phosphathaltigen Düngemitteln aufsummiert und den Entzügen über Erntegüter gegenübergestellt.

Der ermittelte Kontrollwert, der sich aus der Differenz von Zu- und Abfuhr im gesamten Betrieb ergibt, darf unabhängig von den Bodengehaltsklassen der Schläge im sechsjährigen Betriebsdurchschnitt ab 2018 höchstens 10 kg P2O5/ha Jahr betragen.

Da der Nährstoffvergleich für Phosphat entsprechend der Düngebedarfsermittlung erfolgt und die Phosphatmengen aus der Kompostgabe zu 100 % in die Bilanzierung einfließen, wird hier auf die Darstellung eines Fallbeispiels verzichtet.

Zeiträume der Kompost-Aufbringung

Komposte mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff (> 1,5 % N in TS) dürfen in der Zeit vom 15. Dezember bis 15. Januar nicht ausgebracht werden.

Komposte mit einem Stickstoffgehalt kleiner 1,5 % N in der Trockensubstanz dürfen weiterhin ganzjährig aufgebracht werden.

Es gibt auch keine spezifische Einschränkung für Komposte, der zufolge zu vorgegebenen Zeiten insbesondere nach der Ernte der Hauptfrucht (30 kg NAmmonium / 60 kg Nges) oder auf gefrorenen Böden (60 kg Nges) nur bestimmte Mengen an Stickstoff aufgebracht werden dürfen.

Abstand, Bodenzustand, Einarbeitung

Komposte dürfen nur dann auf gefrorenen Boden aufgebracht werden, wenn ihr Abschwemmen ausgeschlossen werden kann und der Boden eine Pflanzendecke trägt. Für Komposte gibt es keine zusätzlichen Begrenzungen der zulässigen Aufbringmenge an Stickstoff auf gefrorenem Boden. Es besteht auch keine Einarbeitungspflicht für Komposte unmittelbar nach der Ausbringung.

Darüber hinaus sind Abstandsregeln zur Böschungskante von oberirdischen Gewässern zu beachten:

  • bei flachen Hangverhältnissen und einfacher Aufbringungstechnik:                      mind. 4 m

  • bei Verwendung einer Grenzstreueinrichtung:                                                         mind. 1 m

  • bei stark geneigten Flächen (10 % Hangneigung):                                                 mind. 5 m

  • auf stark geneigten Ackerflächen in einem Abstand von                                        5 bis 20 m                        

 nur dann, wenn:

  • auf unbestelltem Ackerland eine sofortige Einarbeitung erfolgt;

  • bei bestelltem Ackerland gewisse Anbauweisen eingehalten werden.

Stoffstrombilanzverordnung (StoffBilV)

Die StoffBilV regelt den Umgang mit Nährstoffen im Betrieb und betrieblichen Stoffbilanzen. Sie gilt ab 01.01.2018 für folgende Betriebe:

  1. Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bei einer Tierbesatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Großvieheinheiten je Hektar,
  2. viehhaltende Betriebe, die die in Nummer 1 festgesetzten Schwellenwerte unterschreiten, wenn dem Betrieb im jeweiligen Bezugsjahr außerhalb des Betriebs anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird und
  3. Betriebe, die eine Biogasanlage unterhalten und mit einem viehhaltenden Betrieb nach Nummer 1 oder Nummer 2 in einem funktionalen Zusammenhang stehen, wenn dem Betrieb im jeweiligen Bezugsjahr Wirtschaftsdünger aus diesem Betrieb oder sonst außerhalb des Betriebs anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird.

Das bedeutet vereinfacht, das Betriebe (ohne Biogasanlage) mit einer Tierbesatzdichte von weniger als 2,5 Großvieheinheiten für die nächsten fünf Jahre nicht zur Erstellung einer Stoffstrombilanz verpflichtet sind, sofern sie als organische Düngemittel nur Kompostprodukte und keine Wirtschaftsdünger wie z.B. Gülle aufnehmen.

Um Besonderheiten bei der Anwendung bestimmter Düngemittel wie Kompost Rechnung zu tragen, darf der Betriebsinhaber unvermeidliche Verluste und erforderliche Zuschläge nach Vorgabe oder in Abstimmung mit der nach Landesrecht zuständigen Stelle berücksichtigen. Es ist derzeit davon auszugehen, dass in der StoffBilV letztendlich nur die Stickstoffmengen aus der Kompostdüngung berücksichtigt werden müssen, die auch beim Nährstoffvergleich (siehe Düngeverordnung) nach den länderspezifischen Regelungen zur Bewertung des Kompoststickstoffs einfließen. Die einzelnen Bundesländer haben hierzu jedoch noch keine präzisen Festlegungen getroffen.

Der Landwirt hat zukünftig die Wahlfreiheit, ob er einen fix vorgegebenen Bilanzwert von 175 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr zugrunde legen oder alternativ einen für seinen Betrieb spezifischen Bilanzwert nach den Vorhaben der Anlage 4 der StoffBilV ermitteln möchte.

BIOABFALLVERORDNUNG (BioAbfV)

Sofern Komposte mit dem RAL-Gütezeichen Kompost bzw. Gärprodukte ausgezeichnet sind besteht Gewissheit darüber, dass mindestens die gesetzlichen Anforderungen an die Hygienisierung und an die Qualität laut Bioabfallverordnung eingehalten werden. Ferner gelten für Komposte, die mit dem RAL-Gütezeichen Kompost ausgezeichnet sind, deutliche Erleichterungen hinsichtlich Bodenuntersuchung und den Nachweisverfahren. Im Folgenden werden nur wichtige Bestimmungen gemäß Bioabfallverordnung aufgeführt, die für RAL-gütegesicherte Komposte gelten.

Ausbringung

In der BioAbfV sind folgende Schwermetallgrenzwerte für Komposte festgelegt:

max. zulässige
Ausbringungsmenge

Kategorie

Pb

Cd

Cr

Cu

Ni

Hg

Zn

20t TM/ha in 3 Jahren

I

150

1,5

100

100

50

1

400

30t TM/ha in 3 Jahren

II

150

1

70

70

35

0,7

300

Angaben in mg/kg TM

Werden die niedrigen Grenzwerte (Kategorie II) eingehalten, dürfen in drei Jahren bis zu 30 t TM (ca. 47 t FS) Kompost je Hektar ausgebracht werden. Weist der Kompost dagegen Schwermetallgehalte der Kategorie I auf, dürfen in drei Jahren höchstens 20 t TM/ha (ca. 31 t FS) ausgebracht werden.

Auf Grünlandflächen und mehrschnittigen Feldfutterflächen dürfen z.B. Grüngut-Komposte (aus Garten- und Parkabfällen, nicht jedoch Biogut-Komposte aus den Inhalten der Biotonne) ausgebracht werden. Im Übrigen dürfen Kompost auf Feldfutterflächen und Feldgemüseflächen aufgebracht werden, wenn diese vor dem Anbau in den Boden eingearbeitet werden.

Eine gleichzeitige Ausbringung von Kompost und Klärschlamm innerhalb von drei Jahren auf derselben Fläche ist laut Bioabfallverordnung nicht zulässig.

Lieferscheine

Der Landwirt erhält bei der Abnahme RAL-gütegesicherte Komposte vom Kompostwerk bzw. –händler einen Lieferschein, der mit dem RAL-Gütezeichen Kompost gekennzeichnet ist. Die Warendeklarationen – das heißt alle wichtigen Informationen über Inhaltsstoffe, Ausgangsmaterialien, Typenbezeichnung etc. - befinden sich entweder direkt auf dem Lieferschein oder werden mit einem gesonderten Warendeklarationsschein bzw. Untersuchungsbericht ausgehändigt. Diese Unterlagen sind sowohl laut Düngeverordnung als auch laut Bioabfallverordnung für die Betriebsdokumentation vom Landwirt aufzuheben.

Meldepflicht

Der Landwirt muss der zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen nach der erstmaligen Kompostausbringung die entsprechende Fläche angeben. Spätere Kompostgaben müssen nicht mehr der Behörde gemeldet werden.

Der Landwirt muss unverzüglich nach der Ausbringung RAL-gütegesicherter Kompostprodukte die aufgebrachten Materialien, die aufgebrachte Menge in Tonnen Trockenmasse, die eindeutige Bezeichnung der Aufbringungsfläche und die Größe in Hektar dokumentieren. Die Dokumentationen müssen der zuständigen Behörde nur auf Verlangen vorgelegt werden.

Die Kompostanlagenbetreiber RAL-gütegesicherter Produkte geben gerne Auskunft über die behördlichen Formalitäten oder übernehmen diese sogar in einigen Fällen.

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