Eigenkompostierung

Die Zersetzung von biologisch abbaubarem Material ist ein wichtiger Baustein des Naturkreislaufes. Durch sie werden dem Boden organische Masse zugeführt und Nährstoffe für das Pflanzenwachstum zurückgeführt. Eine gezielte Steuerung der natürlichen Zersetzungsprozesse stellt die Kompostierung von Bio- und Grüngutabfällen dar. Ob im professionellen Stil auf der Kompostierungsanlage oder im kleineren Rahmen in Form der Eigenkompostierung: die Herstellung von hochwertigem Kompost trägt in vielfältiger Hinsicht zum Umweltschutz bei. Durch den Komposteinsatz können Torf und mineralische Dünger ersetzt, der Bio- und Grüngutabfall sinnvoll verwertet, natürliche Ressourcen geschont und die Böden ausreichend mit Humus und Nährstoffen versorgt werden. Neben den positiven Umweltaspekten bringt die Eigenkompostierung ein interessantes und spannendes Erlebnis im eigenen Garten mit sich.

Rechtsgrundlage

Das grundlegende Recht von privaten Haushalten, eigene Küchen- und Gartenabfälle selber zu kompostieren, ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), festgelegt. Bürger können von der Überlassungspflicht der Bio- und Gartenabfälle an die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger befreit werden, wenn auf ihrem privaten Grundstück eine eigene Verwertung stattfindet. Die konkreten Vorschriften für die Eigenkompostierung werden in den Abfallsatzungen der jeweiligen Kommunen festgelegt. Hier werden gegebenenfalls auch die Anforderungen an die vorhandene Gartenfläche zur Verwertung der Komposte, die zugelassenen Abfälle sowie Ermäßigungen der Abfallgebühren geregelt.

Bio- und Grüngut

Nicht alle organischen Abfälle sind gleichermaßen gut für die Eigenkompostierung geeignet. Da es keine einheitlichen Vorgaben gibt, welche Abfälle im Garten kompostiert werden dürfen und welche anderweitig (z. B. über die Bio- oder Restmülltonne) entsorgt werden müssen, sollte man sich vor Beginn des Projekts „Eigenkompostierung“ bei der Kommune erkundigen.

Als Anhaltspunkt kann die nachfolgende Tabelle zu Rate gezogen werden, wobei die Vorschriften der kommunalen Abfallsatzungen hiervon abweichen können.

Eignung verschiedener Bioabfälle für die Eigenkompostierung

Gut geeignet

Weniger gut geeignet

Nicht geeignet

Obstabfälle

Zitrusfrüchte

Kranke Pflanzenteile

Gemüseabfälle

Biol. abbaubares Kleintierstreu, Heu, Stroh

Fischreste und –gräten

Brotreste

Zellstofftücher, Zeitungspapier, Küchenkrepp

Fleisch- und Knochenreste

Eierschalen
(am besten zerdrückt)

Haare, Federn

Käsereste
(inkl. Naturrinde)

Nicht gekochte Essensreste

 

Servietten

Schnittblumen, Topfpflanzen

 

Milchproduktreste

Strauch-, Hecken- und Baumschnitt (zerkleinert)

 

Gekochte oder verdorbene Speisereste

Alte Blumenerden aus
Kübeln und Beeten

 

 

Laub, Nadeln, Reisig, Moos

 

 

Gras, Rasenschnitt,
(Un-) Kräuter

 

 

 

 

 

Nussschalen

 

 

Kaffeesatz, Filtertüten,
Teebeutel

 

 


Generell sollte darauf geachtet werden, dass eine einzelne Abfallart wie z.B. feiner Rasenschnitt keine Überhand auf dem Komposthaufen nimmt. Trockene Abfälle wie Holzschnitzel, Laub oder Äste sollten in gleichen Anteilen wie die feuchten Küchenabfälle beigemischt werden. Ein möglichst heterogenes Kompostmaterial verhindert sowohl Staunässe als auch ein Austrocknen. Kompost sollte feucht, aber nicht nass sein. Beim Zusammendrücken in der Hand sollten keine Tropfen zwischen den Fingern ausgepresst werden können.

Die Platzwahl

Der Standort des Komposters sollte mit Bedacht gewählt werden, damit er zum einen gut zugänglich ist und zum anderen, um unnötige Streitigkeiten mit den Nachbarn durch mögliche Geruchsbelästigungen oder durch ein unansehnliches Erscheinungsbild zu vermeiden.

Optimal liegt der Standort in einem halbschattigen Bereich, der gut erreichbar und auch bei anhaltenden Regen zum Beispiel über einen befestigten Pfad begehbar ist. Als Sicht- und Witterungsschutz (Wind, zu starke Sonneneinstrahlung etc.) eignet sich eine Fläche neben Hecken oder unter Bäumen. Der Komposter sollte mit direktem Bodenkontakt errichtet werden, damit Wasser abfließen kann und sich Kompostwürmer und andere Kleinstlebewesen bei widrigen Bedingungen im Rottegut in den schützenden Boden zurückziehen können. Ein engmaschiges Gitter am Boden dient als Schutz vor dem Eindringen von unerwünschten Besuchern wie z.B. Wühlmäusen.

Methoden und Behälter

Es gibt eine Vielzahl von Methoden und Behältern zur Eigenkompostierung im Garten. An dieser Stelle seien die drei gängigsten Vorgehensweisen exemplarisch dargestellt.

Der Lattenkomposter lässt sich durch die naturbelassenen Bauelemente aus widerstandsfähigem Holz gut in den Garten integrieren. Vorteil dieser Methode ist der natürliche Feuchtigkeits- und Luftaustausch. Zudem ist der Lattenkomposter vergleichsweise platzsparend und somit auch für kleinere Gärten geeignet. Zum Schutz vor einem zu großen Wassereintrag kann er mit geeigneten Materialien (beispielsweise Flies) abgedeckt werden. Zusätzliche Lattenkomposter leisten gute Dienste für das Umsetzen des Rotteguts.

Die kostengünstigste Variante stellt die Mieten- bzw. Haufenkompostierung dar. Hierbei wird der Bio- und Grüngutabfall auf eine Fläche aufgebracht und kann beliebig in Höhe und Länge erweitert werden. Der Platzbedarf für diese Mietenform ist jedoch bei gleicher Höhe etwas größer als beim Lattenkomposter, da die Flanken des Rottekörpers meist flach abfallen. Diese Verfahren werden daher bevorzugt in größeren Gärten mit reichlichem Platzangebot genutzt.

Schnellkomposter sind geschlossene Behälter aus Kunststoff, die auch für kleinere Gärten oder Vorgärten geeignet sind. Sie bieten Schutz vor Ratten oder Mäusen, so dass auch Speiseabfälle kompostiert werden können. Durch die oftmals mangelnde Belüftung und Durchlässigkeit kommt es jedoch innerhalb der Behälter häufig zu Fäulnis, da die Wasserverdunstung und der Luftaustausch aufgrund der geschlossenen Bauweise eingeschränkt sind.

Kompostierungsprozess

Die Zersetzung der Bioabfälle zu wertvollem Kompost gliedert sich in drei Phasen.

In der ersten Phase, der Abbau- oder Heißrottephase, werden Temperaturen bis zu 50°C erreicht. Die Wärmefreisetzung ist Folge von mikrobiellen Stoffwechselprozessen, wodurch die Materialumsetzung beginnt. Mit den hohen Temperaturen geht eine Hygienisierung des Rottegutes einher. In der Regel können diese hohen Temperaturen jedoch bei der Eigenkompostierung nicht erreicht werden, weshalb kranke Pflanzenteile, Unkrautsamen etc. auf einer Kompostanlage entsorgt werden sollten. Auf professionell betriebenen Kompostierungsanlagen werden durch die gezielte Steuerung des Rotteprozesses über einen längeren Zeitraum deutlich höhere Temperaturen erzielt. Dadurch werden phytopathogene Keime sowie keimfähige Samen in den organischen Abfällen auf Kompostierungsanlagen sicher abgetötet.

In der zweiten Umbauphase kühlt der Komposthaufen auf 30-40°C ab, so dass andere Bakterien und Pilze tätig werden können. Diese zersetzen das schwerer abbaubare organische Material.

Während der letzten Reife- oder Aufbauphase kommt es zu einem Ausgleich zwischen Kompost- und Umgebungstemperatur. Zu diesem Zeitpunkt können Kleinstlebewesen wie Würmer und Asseln in den Kompost einwandern. Diese sorgen für eine Vermischung der organischen und mineralischen Bestandteile, so dass weitere stabile Humusformen entstehen.

Während des Kompostierungsprozesses kommt es zu einem Massenverlust von ca. 50%. Dies lässt sich auch anhand des Einsackens des Komposthaufens beobachten.

Kompost „ernten“

Kompost ist nach etwa einem Jahr reif, so dass er auf den Boden ausgebracht werden kann. Man unterscheidet in Abhängigkeit des Rottegrades zwischen Frisch- und Reifkompost. Frischkompost kann vor allem als Mulch oder Bodenverbesserungsmittel eingesetzt werden, wobei er nur oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden darf. Reifkompost hat eine deutlich längere Rottephase und kann vielseitiger eingesetzt werden (z.B. als Bodenverbesserungsmittel, zur Rasenpflege oder als Bestandteil von Blumenerde). Vor der Aufbringung auf den Boden sollte Kompost generell abgesiebt werden. Das grobe Siebgut kann dem Komposthaufen wieder als Strukturmaterial zugeführt werden.

Eigenkompostierung und Biotonne

Eine richtig durchgeführte Eigenkompostierung trägt dazu bei den Kreislauf Boden-Pflanze-Kompost-Boden zu schließen. Die Nährstoffe, die die Pflanze dem Boden entzieht, werden durch die Aufbringung des Komposts in den Boden zurückgeführt und somit den Pflanzen wieder verfügbar gemacht.

Bei einer zu kleinen Gartenfläche und der Kompostierung von zu großen Abfallmengen, beispielsweise durch den Zukauf von Obst und Gemüse, führt die dauerhafte Aufbringung von Kompost jedoch schnell zu einer Überdüngung der eigenen Gartenflächen. Aus diesem Grund sollte bei der Eigenkompostierung immer die Aufbringungsfläche des Komposts und die Art des Bewuchs - ob es sich um stark (Gemüse) oder schwach (Rasen) zehrende Pflanzen handelt - berücksichtigt werden. Empfehlungen zu Aufbringungsmengen können unseren Anwendungstipps für den Hausgarten entnommen werden. Weitere hilfreiche Tipps rund um das Thema Eigenkompostierung liefert zudem der Sonderdruck

Kompost Spezial - Sonderdruck aus: Kraut & Rüben 03/2008

Erfahrungswerte zeigen, dass es langfristig besonders in kleinen Hausgärten zur Überversorgung des Bodens mit Nährstoffen kommen kann, wenn sämtliche Garten- und Küchenabfälle im eigenen Garten verwertet werden. Eine zu hohe Nährstoffversorgung des Bodens kann die Pflanzengesundheit beeinträchtigen und schädliche Auswirkungen auf das Grundwasser haben. Regelmäßige Bodenuntersuchungen helfen die richtige Kompostmenge für eine nachhaltige und sinnvolle Düngung zu veranschlagen. Mit Hilfe der Untersuchungsergebnisse kann die Eigenkompostierung entsprechend angepasst werden. Bei einem zu großen Bioabfallaufkommen empfiehlt es sich zusätzlich von einer Biotonne Gebrauch zu machen oder die Abfälle direkt bei der örtlichen Kompostierungsanlage abzugeben. Nur so kann eine lückenlose Verwertung aller Bioabfälle umgesetzt werden. Die Eigenkompostierung und die Biotonne schließen sich nicht automatisch aus, sondern stellen wechselwirkend eine sinnvolle Ergänzung dar.