Rechtsgrundlage

DÜNGVERORDNUNG (DüV)

Nährstoffbilanzierung

Die im Kompost enthaltenen pflanzenverfügbaren Nährstoffe Stickstoff und Phosphor müssen laut Düngeverordnung bei der Düngebedarfsermittlung berücksichtigt werden. Demgegenüber sind bei dem erforderlichen Nährstoffvergleich die Gesamtnährstoffgehalte aus der Kompostgabe anzurechnen.

Über die Kompostgabe können zwar beachtliche Mengen an Gesamtstickstoff ausgebracht werden, jedoch ist zu berücksichtigen, dass nur ein geringer Teil des Stickstoffs pflanzenverfügbar ist. Aufgrund dieser Besonderheit haben die nach Landesrecht zuständigen Stellen die Möglichkeit, für Komposte Kennzahlen für die sachgerechte Bewertung der unvermeidlichen tolerierbaren Überschüsse an Stickstoff festzulegen.

In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel führt die Landwirtschaftskammer bei einer Überschreitung der zulässigen N-Überhänge eine fachliche Prüfung mit dem Modul „N-Überhangbewertung“ aus deren Nährstoffvergleichsprogramm durch. Hier wird für Kompost nur der tatsächlich pflanzenverfügbare Anteil in Ansatz gebracht. Für Komposte aus Grüngut (Garten- und Parkabfälle) werden z.B. 5,2 % des N-Gesamtgehaltes und aus Biogut (Küchen- und Gartenabfälle) 8,8 % des N-Gesamtgehaltes als anrechenbar im Anwendungsjahr gewertet. Zusätzlich wird in Abhängigkeit von der angebauten Kultur aus der Stickstoffnachlieferung der vorangegangenen Kompostgaben eine anzurechnende Stickstoffmenge in Ansatz gebracht.

Vertiefende Informationen zur Bewertung des Kompoststickstoffs nach den Vorgaben der Düngeverordnung sind dem nachfolgenden Sonderdruck zu entnehmen.

Humusversorgung sichern
Organische Dünger auf die Stoppel?

Sonderdruck Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen Lippe 28, 29/2011 (PDF 564 KB)

N-Aufbringungsobergrenze (170 kg N/ha)

Bisher galt die N-Aufbringungsobergrenze nur für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (z. B. Gülle u. Stallmist). Zukünftig müssen die Stickstoffgesamtgehalte aller organischen und organisch-mineralischen Düngemittel und somit auch die Gehalte von Kompost eingerechnet werden.

Die Bezugsgröße für die Aufbringungsobergrenze ist die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Betriebes pro Jahr. Für Kompost wird als einziges organisches Düngemittel eine Ausnahme getroffen:

Bei Kompost darf die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Betriebes in einem Zeitraum von drei Jahren 510 kg Nges/ha nicht überschreiten.

Sofern ausschließlich Kompost in einem Ackerbaubetrieb eingesetzt wird, ist die Regelung eindeutig und dürfte in der Praxis zu keinen Einschränkungen pflanzenbaulich sinnvoller Kompostgaben führen. Schwieriger wird es nur, wenn Wirtschaftsdünger und Kompost in einem Betrieb kombiniert eingesetzt werden sollen.

Wir gehen daher davon aus, dass bei einer Kombination von organischen Düngern und Kompost in einem Betrieb die im Jahr der Anwendung aufgebrachte Stickstoffmenge aus der Kompostdüngung durch drei (Jahre) geteilt und dann der jährlich zulässigen Stickstoffmenge aus der organischen Düngung zugeschlagen werden muss. Die Bundesländer haben zu diesem offenen Punkt bisher noch keine Vollzugshinweise getroffen.

Ausbringungsverbote

Komposte mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff (> 1,5 % N in TS) dürfen in der Zeit vom 15. Dezember bis 15. Januar nicht ausgebracht werden. Nach unserer Lesart können jedoch Komposte mit einem Stickstoffgehalt kleiner 1,5 % N in der Trockensubstanz weiterhin ganzjährig aufgebracht werden [§ 6 Abs. 8 DüV]. Die Offizialberatung hat sich hierzu bisher noch nicht positioniert.Komposte dürfen nur dann auf gefrorenen Boden aufgebracht werden, wenn dessen Abschwemmen ausgeschlossen werden kann und der Boden eine Pflanzendecke trägt.Für Komposte gibt es keine zusätzlichen Begrenzungen der zulässigen Aufbringmenge an Stickstoff auf gefrorenen Boden.Es besteht auch keine generelle Einarbeitungspflicht für Komposte unmittelbar nach der Ausbringung.

Abstandsregel

Darüber hinaus sind Abstandsregeln zur Böschungskante von oberirdischen Gewässern zu beachten:

  • bei flachen Hangverhältnissen und einfacher Aufbringungstechnik:     mind. 4 m,
  • bei Verwendung einer Grenzstreueinrichtung:                                   mind. 1 m,
  • bei stark geneigten Flächen (10 % Hangneigung):                           mind. 5 m,
  • auf stark geneigten Ackerflächen in einem Abstand von                    5-20 m

nur dann, wenn:

  • auf unbestelltem Ackerland eine sofortige Einarbeitung erfolgt;
  • bei bestelltem Ackerland gewisse Anbauweisen eingehalten werden.

BIOABFALLVERORDNUNG (BioAbfV)

Sofern Komposte mit dem RAL-Gütezeichen Kompost bzw. Gärprodukte ausgezeichnet sind besteht Gewissheit darüber, dass mindestens die gesetzlichen Anforderungen an die Hygienisierung und an die Qualität laut Bioabfallverordnung eingehalten werden. Ferner gelten für Komposte, die mit dem RAL-Gütezeichen Kompost ausgezeichnet sind, deutliche Erleichterungen hinsichtlich Bodenuntersuchung und den Nachweisverfahren. Im Folgenden werden nur wichtige Bestimmungen gemäß Bioabfallverordnung aufgeführt, die für RAL-gütegesicherte Komposte gelten.

Ausbringung

In der BioAbfV sind folgende Schwermetallgrenzwerte für Komposte festgelegt:

max. zulässige
Ausbringungsmenge

Kategorie

Pb

Cd

Cr

Cu

Ni

Hg

Zn

20t TM/ha in 3 Jahren

I

150

1,5

100

100

50

1

400

30t TM/ha in 3 Jahren

II

150

1

70

70

35

0,7

300

Angaben in mg/kg TM

Werden die niedrigen Grenzwerte (Kategorie II) eingehalten, dürfen in drei Jahren bis zu 30 t TM (ca. 47 t FS) Kompost je Hektar ausgebracht werden. Weist der Kompost dagegen Schwermetallgehalte der Kategorie I auf, dürfen in drei Jahren höchstens 20 t TM/ha (ca. 31 t FS) ausgebracht werden.

Auf Grünlandflächen und mehrschnittigen Feldfutterflächen dürfen z.B. Grüngut-Komposte (aus Garten- und Parkabfällen, nicht jedoch Biogut-Komposte aus den Inhalten der Biotonne) ausgebracht werden. Im Übrigen dürfen Kompost auf Feldfutterflächen und Feldgemüseflächen aufgebracht werden, wenn diese vor dem Anbau in den Boden eingearbeitet werden.

Eine gleichzeitige Ausbringung von Kompost und Klärschlamm innerhalb von drei Jahren auf derselben Fläche ist laut Bioabfallverordnung nicht zulässig.

Lieferscheine

Der Landwirt erhält bei der Abnahme RAL-gütegesicherte Komposte vom Kompostwerk bzw. –händler einen Lieferschein, der mit dem RAL-Gütezeichen Kompost gekennzeichnet ist. Die Warendeklarationen – das heißt alle wichtigen Informationen über Inhaltsstoffe, Ausgangsmaterialien, Typenbezeichnung etc. - befinden sich entweder direkt auf dem Lieferschein oder werden mit einem gesonderten Warendeklarationsschein bzw. Untersuchungsbericht ausgehändigt. Diese Unterlagen sind sowohl laut Düngeverordnung als auch laut Bioabfallverordnung für die Betriebsdokumentation vom Landwirt aufzuheben.

Meldepflicht

Der Landwirt muss der zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen nach der erstmaligen Kompostausbringung die entsprechende Fläche angeben. Spätere Kompostgaben müssen nicht mehr der Behörde gemeldet werden.

Der Landwirt muss unverzüglich nach der Ausbringung RAL-gütegesicherter Kompostprodukte die aufgebrachten Materialien, die aufgebrachte Menge in Tonnen Trockenmasse, die eindeutige Bezeichnung der Aufbringungsfläche und die Größe in Hektar dokumentieren. Die Dokumentationen müssen der zuständigen Behörde nur auf Verlangen vorgelegt werden.

Die Kompostanlagenbetreiber RAL-gütegesicherter Produkte geben gerne Auskunft über die behördlichen Formalitäten oder übernehmen diese sogar in einigen Fällen.