Kompostprodukte

Unter dem Begriff Kompostprodukte werden alle organischen Düngemittel zusammengefasst, zu deren gezielten Herstellung überwiegend Abfälle pflanzlicher Herkunft verwendet werden. Die Ausgangsstoffe sind hauptsächlich Grüngut (Garten- und Parkabfälle), Biogut (Inhalte der Biotonne, also häusliche Küchen- und Gartenabfälle) sowie Landschaftspflegematerial.

Kompostarten

Je nachdem, ob die organischen Abfälle unter Luftzufuhr (Kompostierung, aerobe Behandlung) oder unter Luftabschluss (Vergärung, anaerobe Behandlung) verarbeitet werden, unterscheidet man zwischen Komposten und Gärprodukten.

Werden die Gärprodukte aus der Vergärungsstufe in einem nachfolgenden Verfahrensschritt noch kompostiert, so handelt es sich bei dem Endprodukt um einen Kompost.

Zur gezielten Herstellung von hochwertigen Substraten – in der Fachsprache als Bodenhilfsstoffe bezeichnet - werden Komposte z.B. mit Bodenaushub, Sand und Lavagranulaten in bestimmten Rezepturen gemischt. Darüber hinaus finden Komposte auch als wesentliche Komponente bei der Produktion von abgesackter Blumen- und Pflanzerde in der Erdenindustrie Verwendung. Hier kann dann fossiler Torf durch Kompost ersetzt werden.

Inhaltsstoffe und Wirkungen von Kompost

Kompostprodukte enthalten neben der organischen Substanz – auch Humus genannt – alle für das Pflanzenwachstum erforderlichen Haupt- und Spurennährstoffe.

Die Wirkungen der Kompostinhaltsstoffe auf die Pflanzen und den Boden sind von komplexer Natur. Der Kompost stellt den Pflanzen alle lebensnotwendigen Nährstoffe zur Verfügung. Er bewirkt, dass zahlreiche Erreger von Pflanzenkrankheiten im Boden zurückgedrängt werden.

Kompostprodukte weisen eine Fülle von positiven Effekten auf die biologische Aktivität und die physikalischen Eigenschaften des Bodens auf. Besonders hervorzuheben ist die Steigerung des Wasser- und Nährstoffspeichervermögens durch regelmäßige Kompostgaben. Kompost erhöht die Bodenfruchtbarkeit und stabilisiert das Bodengefüge. Insbesondere in der Landwirtschaft weiß man den Einfluss von Kompostdüngungen auf die Verminderung von Bodenerosionen zu schätzen.

Abbildung: Inhaltsstoffe und Wirkung von Kompost

Anwendung

Kompostprodukte finden in allen Bereichen Anwendung, bei denen Böden durch die Zufuhr von Humus und Nährstoffen aufgewertet werden sollen. Im Hausgarten werden Fertigkomposte und Substrate für die Neuanlage von Gärten, als Füllmaterial in Pflanzlöchern und zur dauerhaften Pflege des gesamten Gartenbodens eingesetzt. Auch im Gemüsegarten und bei der Befüllung von Pflanzgefäßen ersetzen Kompostprodukte mineralische Dünger, Kalk und Torf.

Ebenso werden im GaLaBau (Garten- und Landschaftsbau) die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Kompostprodukten geschätzt. Über die Einsatzbereiche im Hausgarten hinaus verwendet der GaLaBau Kompostprodukte bei der Rekultivierung, der Dachbegrünung sowie der Gestaltung von Parkanlagen und Landschaftselementen.

In der Landwirtschaft werden neben Fertigkomposte auch Frischkomposte zur Bodenverbesserung und zur Pflanzenernährung im großen Umfang eingesetzt.

Darüber hinaus finden Kompostprodukte zahlreiche Einsatzmöglichkeiten bei Spezialanwendungen wie z.B. im Gartenbau (Gemüsebau, Obstbau, Baumschulen) oder bei der Abluftbehandlung als Biofiltermaterial.

Anwendungsgrundsätze

Die Aufwandmenge richtet sich in erster Linie nach den Gehalten an wertgebenden Inhaltsstoffen in den Kompostprodukten sowie dem Bedarf der Pflanzen und der Böden an diesen Inhaltsstoffen. Die Gehalte der wertgebenden Inhaltsstoffe von RAL-gütegesicherten Kompostprodukten sind bekannt, da die Produkte regelmäßig untersucht und die Ergebnisse in einer Warendeklaration zusammengestellt werden.

Der Nährstoffbedarf einzelner Pflanzenarten lässt sich in Abhängigkeit von den Ertragserwartungen bzw. des Wachstums der Pflanzen gut abschätzen. Unbekannt dagegen sind häufig die Nährstoff- und Humusgehalte der Böden. Bei größeren Maßnahmen ist es empfehlenswert, sich durch eine gezielte Untersuchung der Böden auf Nährstoffgehalte und pH-Wert einen Überblick zu verschaffen. Bei den hier getroffenen Aufwandsempfehlungen wird – sofern nichts anderes ergänzt wird - von mittleren Gehalten im Kompost sowie eher niedrigen Nährstoffgehalten im Boden ausgegangen. Die optimale Kompostmenge kann daher je nach Herkunft und Anwendungszweck mehr oder weniger stark von den hier getroffenen Aufwandsempfehlungen abweichen.

Anwendungszeitpunkt

Kompostgaben können im Hausgarten sowie im Garten- und Landschaftsbau grundsätzlich ganzjährig erfolgen. Die feste Bindung insbesondere von Stickstoff in der Humusmatrix verhindert eine nennenswerte Auswaschung von Nährstoffen aus dem organischen Dünger.

In einigen wenigen Fällen kann der Gehalt an verfügbarem Stickstoff in Kompostprodukten über 10 % des Gesamtstickstoffs betragen. Sofern der Gesamtstickstoffgehalt im Kompost über 1,5 % bezogen auf die Trockenmasse liegt, darf nach den Vorschriften der Düngeverordnung dieser Kompost in dem Zeitraum vom 1. November bis 31. Januar nicht auf Ackerland und vom 15. November bis 31. Januar nicht auf Grünland ausgebracht werden.

Umweltaspekte

Kompostprodukte schließen den natürlichen Kreislauf. Die in den organischen Abfällen enthaltenen Nährstoffe und organischen Bestandteile können nach einer gezielten biologischen Behandlung in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Der Einsatz von Kompostprodukten trägt im bedeutenden Umfang zur Schonung von Ressourcen (z.B. Torfmooren und Phosphatlagerstätten) und zum Klimaschutz (Bindung von Kohlendioxid im Boden) bei.

RAL-Gütesicherung

RAL-Gütesicherung Kompost (RAL-GZ 251) sowie die RAL-Gütesicherung Gärprodukte (RAL-GZ 245) unterliegen der ständigen Güteüberwachung durch die Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. Die Anforderungen an RAL-gütegesicherte Kompostprodukte gehen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Die Auszeichnung mit dem RAL-Gütezeichen garantiert dem Anwender eine fremdüberwachte Kompostqualität auf höchstem Niveau.

Produkte mit RAL-Gütezeichen Kompost bzw. Gärprodukte werden ausschließlich aus geeigneten und unbedenklichen Ausgangsstoffen hergestellt. Eigenschaften und Inhaltsstoffe der jeweiligen Produkte können dem Prüfzeugnissen der Gütesicherung entnommen werden. Diese Dokumente werden für jedes einzelne Produkt und jedes Kompostwerk individuell erstellt.

Der Gesetzgeber vertraut dem Gütesicherungssystem der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. und gewährt Landwirten, die RAL-gütegesicherte Komposte einsetzen, deutliche Erleichterungen beim Nachweis- und Lieferscheinverfahren.

Die Gütesicherung Kompost (RAL-GZ 251) beinhaltet die regelmäßige Güteüberwachung von Frisch-, Fertig- und Substratkomposten durch die Gütegemeinschaft bzw. die zugelassenen Prüflabore.

Düngemittelrecht

Im Düngemittelrecht werden Komposte als Organische NPK-Dünger bezeichnet. Als weitere Informationen für den Anwender müssen hier noch neben den Gehalten der Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium die verwendeten Ausgangsstoffe aufgeführt werden. Ein Kompost - hergestellt aus Biogut - erhält dann z.B. die Bezeichnung „Organischer NPK-Dünger 0,72 – 0,33 - 0,71 unter Verwendung von organischen Abfällen“. In der Düngemittel- und in der Bioabfallverordnung ist festgelegt, welche Ausgangsstoffe grundsätzlich zur Herstellung von Komposten zugelassen sind.